Rudolph-Tabelle für Masters

Kürzlich rief mich ein Kollege an und wollte wissen, ob sich meine Punkttabelle („Rudolph-Tabelle) auch zum Vergleich der Wettkampfergebnisse der Masters eigne. Das ist nicht möglich, da diese zwar bis zur offenen Klasse geht, sich aber hauptsächlich auf die 8.-18-jährigen bezieht und somit im Gegensatz zu anderen Punkttabellen die Leistung altersgemäß wertet. Das ändert aber nichts an dem Interesse der Masters, ebenfalls die Leistungen über die Altersgruppen zu vergleichen. Damit war die Initialzündung gegeben, das bewährte Prinzip auf den Masterbereich zu übertragen. Das sagt sich zunächst so einfach. Dahinter steht aber ein großer Aufwand, da sich als Rechnungsgrundlage die ewige Bestenliste bewährt hat und die musste erst einmal erarbeitet werden und das nach Möglichkeit für 15 Altersgruppen, getrennt nach Kurz- und Langbahn sowie Geschlecht. Zum Vergleich wird noch die ewige Weltbestenliste der jeweiligen Gruppen hinzugezogen. Also Arbeit für einen ruheständischen Hobbystatistiker.

Bevor man aber die Ergebnisse in eine Punkttabelle überführt, sind erst einmal bestimmte Trends und Zusammenhänge zu ermitteln, die über die lapidare Erkenntnis hinausgehen, dass mit zunehmendem Alter die sportliche Leistung abnimmt. So erreichen die 50-Jährigen noch 91,8% der Leistung der 25-Jährigen. Mit 70 sind es nur noch 73% und mit 80 rund 60%. Diese Entwicklung lässt sich durch eine polynomische Funktion 3. Grades darstellen (s. Abb.1). Damit verläuft die Leistungsentwicklung etwa bis zum 70. Lebensjahr ähnlich der maximalen Sauerstoffaufnahme, bricht aber dann stärker ab. Dieses Verhalten kann mit dem Verlauf der Kraft im Altersgang erklärt werden, die bereits ab dem 60, Lebensjahr stark zurückgeht. Aus dem Verlauf der drei Variablen wird deutlich, dass Schwimmen vordergründig eine Kraftausdauer-Sportart ist, also der Abfall der Leistungen im Schwimmen sowohl der abnehmenden Ausdauer, aber insbesondere der geringeren Kraft geschuldet ist.

Abbildung 1

Abb.1: Verlauf der durchschnittlichen Schwimmleistung (Mittel 100m) und der Sauerstoffaufnahme (nach KOINZER/KRÜGER 1982)und der Handkraft (nach UFLAND 1973) im Altersgang (wobei die Ausgangswerte bei 25 Jahren mit 100% angesetzt wurden).

Im Altersgang lässt das Leistungsniveau besonders mit zunehmender Streckenlänge und insbesondere mit hohem Krafteinsatz nach, wie der Vergleich der 50m- Disziplinen zu den Wettkampfstrecken ab 400m und den 200m Schmetterling zeigt (s. Abb.2).

Abbildung 2

Abb.2: Vergleich der Leistungen in den 50m Disziplinen, den Disziplinen ab 400m und den 200m Schmetterling (Leistung der AK 25 = 100%)

Die Leistungen der deutschen und der weltbesten Altersschwimmer verlaufen vom Trend her gleich (Polynom 3. Grades), aber auf unterschiedlichem Niveau. Die Differenz wird mit zunehmendem Alter größer, was auf die geringe Leistungsdichte auf nationaler Ebene zurückzuführen ist (s. Abb.3).

Abbildung 3

Abb.3: Mittlere 100m-Zeit der Altersklassen der Welt und des DSV (in Minuten)

Zur Erstellung der Punkttabelle bot sich zunächst das bei der „Rudolph-Tabelle“ für den Kinder- und Jugendbereich bewährte Verfahren an, indem die Leistungen der nationalen Altersklassen im Verhältnis zur Weltspitze beurteilt werden. Grundlage ist jeweils die ewige Bestenliste. Bei den Masters ließ sich das zunächst mit den AK 25-30 noch recht gut an, indem die nationale Spitze (Mittel Platz 1-10 der ewigen Bestenliste) auf 15 Punkte gesetzt und danach bis 10 bzw. 1 Punkt/e weiter gerechnet wurde. Bei dieser Vorgehensweise lagen die Leistungen bei 20 Punkten zumeist im Bereich der Weltspitze, repräsentiert durch das Mittel der besten Zehn der gleichen Altersklasse. Mit zunehmendem Alter funktionierte das Prinzip nicht mehr, da die Standardabweichung unvertretbar hoch wurde (s. Abb.4). Das liegt daran, dass in den älteren AK jeder, der nur irgendwie in das Ziel gespült wurde, sich unter den ersten Zehn der Bestenliste platzieren konnte. Davon lassen sich keine Normen ableiten.

Abbildung 4

Abb.4: Zunahme der Standardabweichungen der Mittelwerte der ewigen Bestenliste (Platz 1-10)

Deshalb wurde die ewige Weltbestenliste der Masters als Basisleistung für 24 Punkte angesetzt und die Tabelle mit 1% Differenz bis 25 bzw. 1 Punkt/e weiter gerechnet. Diese Tabelle hat den Vorteil, dass sie eindeutig an der Weltspitze der jeweiligen Altersklassen orientiert und damit interessant für alle Masters ist, die noch internationale Vergleiche im Sinn haben. Im weiteren Punktefeld der Tabelle dürften sich etwa zwei Drittel, der in der DSV-Bestenliste platzierten Schwimmer mit ihren Leistungen wiederfinden. Das andere Drittel sei daran erinnert, dass Schwimmen im Alter vorrangig der Gesundheit dienen sollte und damit unabhängig von der Zeitenhetze seine Berechtigung hat.

Literatur: Ufland, A in Theimer, W. (1973): Altern und Alter. Thieme Stuttgart, S.263 Koinzer, K. & Krüger, U. (1982). Die Altersspezifik von Anpassungen an physische Belastungen. Theorie und Praxis der Körperkultur, 31 (4), 277-282

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